Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd
 


10.1.2013: Jörn Makko, GF Südwestmetall am LGH




Jörn Makko, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, stattete am Abend des 10.01.2013 dem Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd einen Besuch ab. Im Rahmen des Vortragsabends wagte er in seinem Vortrag eine Prognose zur weiteren Entwicklung der Berufe im Bereich Metall- und Elektroindustrie. Dies verdeutlichte er unter anderem an den Bilanzen der SÜDWESTMETALL-Betriebe.
Zunächst aber erfuhr das Plenum, was ein Arbeitgeberverband so alles leistet. Ohne Artikel SÜDWESTMETALL handelt mit den Gewerkschaften Tarife aus, was faktisch bedeutet, dass er mit darüber entscheidet, wie viel Lohn die Arbeiter bekommen. SÜDWESTMETALL vereint diverse Betriebe aus Elektro- und Metallverarbeitung, jedoch nicht ausschließlich große Firmen wie etwa Bosch, sondern auch kleinere und mittlere Betriebe, wie zum Beispiel ein kleines Unternehmen in Ellwangen, welches sich auf die Herstellung von Kühlschränken für Leichenschauhäuser spezialisiert hat, denn: „Irgend-jemand muss sowas ja herstellen!“
In den Betrieben ist die Finanzkrise 2008 immer noch deutlich spürbar, alle Unternehmen erlitten große Verluste, da aufgrund mangelnder Nachfrage erheblich weniger Aufträge eingingen. Von diesem Tief erholte sich die Konjunktur nur schleppend, jedoch gelang es 800.000 Arbeitsplätze zu bewahren, die ohne die Hilfe des Arbeitgeberverbandes, der Gewerkschaften und der Politik gestrichen worden wären.
Herr Makko präsentierte den Schülern 4 Thesen, wie sich die Arbeitswelt entwickeln könnte, bis sie, die Schüler, einmal berufstätig sein würden, eine Deutung von Trends und Megatrends, die sich schon heute zart auf der Netzhaut des Vorausblickenden abzeichneten.
Manch einen Arbeitgeber schaudere es beim Blick auf die Alterspyramide Deutschlands, die schon lange keine Pyramide mehr ist. Im Klartext heißt das so viel wie: Arbeitskräfte im besten Alter werden selten, qualifizierte Arbeitskräfte immer seltener. Wenn Deutschland also genauso weitermacht, kann man sich in Zukunft als Akademiker seinen Arbeitsplatz geradezu aussuchen.
Des Weiteren werde sich aber auch der bereits seit Anfang der Industrialisierung währende Konflikt Mensch-Maschine fortspinnen, schon heute könne man gewisse Arbeitsgänge vollständig automatisieren. Für innovative und kreative Tätigkeiten gelte allerdings zunehmend das Motto "Mensch und Maschine" statt "Mensch oder Maschine".
Die Globalisierung habe dabei selbstverständlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. So gehörten hauptsächlich schlecht ausgebildete Arbeiter zu den Opfern eben jenes weltweiten Arbeits- und Absatzmarktes.
Etwas zu produzieren, koste natürlich etwas, bevor es Gewinn abwerfe. Diese Kosten variierten jedoch von Land zu Land. Und so überlege man es sich als Unternehmer doch zweimal, ob man die Arbeit, für die nicht sehr viel Ausbildung erforderlich ist, im Ausland erledigen lassen solle. Allerdings sei es billiger diejenigen Arbeiten, die eine gewisse Qualifikation erfordern, „hier“ verrichten zu lassen, da es schwierig sei, in einem Land, in dem zwar die Produktionskosten niedrig sind, Arbeiter effektiv anzulernen.
Auch fiel der Begriff des „Health Age“. Das heißt laut Herrn Makko Folgendes:
Arbeiten wird immer gesünder, die Zeiten der von Rauch und Dampf durchzogenen Produktionshallen und von Asbest verpesteten Bürowänden sind längst vorüber. Aufklärung und Fortschritt tun ihr Bestes. Parallel dazu erhöht sich natürlich unsere Lebenserwartung. Aber damit müsse auch das Rentenalter steigen. Man dürfe sich daher also darauf gefasst machen, etwas länger arbeiten zu gehen als seine Vorväter. Die klassischen Rollenbilder gerieten immer mehr in Vergessenheit, da mittlerweile auch Frauen alle Arten von Berufen ausübten, da bildungstechnisch niemandem mehr Grenzen gesetzt sind. Jörn Makko stieß auch am Donnerstag wieder auf Anklang. Er vereinte zum wiederholten Male interessante Themen mit einem lebendigen Vortrag.
Dass die Diskussion mit den Schülern noch länger dauerte, versteht sich da fast von selbst.
Benjamin Skulec, Klasse 10; Thomas Schäfer, Kollegium



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